Zurück aus der Heimat – vegan in einer Kleinstadt

Die letzten zwei Wochen habe ich bei meinen Eltern Zuhause verbracht. Ich habe es mir richtig gutgehen lassen. Bei meinen Eltern gibt es viele leckere Dinge, die es bei mir gar nicht oder nur selten gibt. So gab es Braten, jede Menge Kuchen und Plätzchen und ich aß ungewohnterweise viel Brot mit Schokocreme und selbstgemachten Aufstrichen. Natürlich alles vegan, denn meine Eltern leben auch vegan. Besonders mein Papa, der früher der größte Fleischesser war, ist super experimentierfreudig und so kreiert er des öfteren Rezepte, die dem fleischigen „Original“ ähneln, so z.B. einen hessischen Kartoffel(saitans)braten🙂
Da meine Eltern in einer ziemlich kleinen Kleinstadt leben, hatte ich mit nur einer sehr kleinen Auswahl veganer Produkte in Bio- und Reformläden gerechnet. (Meine Eltern kaufen hauptsächlich in den Standardsupermärkten ein.) Tatsächlich gab es dort aber meinen geliebten ungesüßten Sojajogurt, einige weitere Fruchtsojajogurts sowie diverse Vürstchen und mein geliebtes Mandelmus. Ich würde mir wünschen, dass es in meiner Heimatstadt bald einen dm gibt, denn dort finden sich so viele vegane Lebensmittel, Kosmetikartikel und Reinigungsmittel, sodass es für meine Eltern noch ein bisschen einfacher würde vegan zu leben. Kürzlich haben erst drei Drogerien in der Stadt geschlossen, es besteht also Hoffnung und es kursiert schon das ein oder andere Gerücht darüber.

Neben den ganzen Leckereien bei meienen Eltern Zuhause gab es noch zwei weitere Besonderheiten.
Zum einen waren wir auf den 70. Geburtstag meines Nachbarn eingeladen. Die Feier fand in den Räumlichkeiten eines Hotels statt und das Catering übernahm entsprechend auch eben dieses. Ich hatte mich ehrlichgesagt auf das Schlimmste eingestellt (aka nur trockenen Salat zu essen), aber es kam anders. Als Vorspeise gab es eine Cremesuppe mit frischem Baguette. Ersteres ließen wir entsprechend weg. Als Hauptgericht gab es wahlweise „Wild oder Fisch“, dazu als Beilagen Kartoffeln, Semmelknödel, Rotkraut und Gemüse. Praktischerweise ging hier die Bedienung wie bei der Vorspeise auch rum, kam an jeden einzelnen Platz und fragte, ob man Fleisch oder Fisch möchte. Das konnten wir somit einfach verneinen. Die Beilagen waren einzeln in Schüsseln über die ganze Tafel verteilt. Praktisch für uns. Außerdem gab es ein reichhaltiges Salatbuffet, das wir ausgiebig nutzten. Als Nachspeise dann gab es Mousse au Chocolat mit Vanillesauce und roter Grütze, wovon immerhin die rote Grütze für uns in Frage kam.
Alles in allem war ich sehr erfreut, dass für uns durchaus gut was zu essen dabei war und nicht der Verdacht aufkam, dass man als Veganer ja nichts mehr essen kann🙂
Ein zweites Ereignis war der Silberhochzeitstag meiner Eltern. Anlässlich dieses Jubiläums gingen wir mit den Trauzeugen thailänisch essen. Mein Papa kennt zum Glück den Besitzer des Restaurants und so bestellte er einige Tage vorher schon ein veganes Menü für uns vor. Gerichte, die sonst mit Butter, Fischsauce oder Schmand zubereitet werden, wurden für uns extra veganisert gekocht. Leider habe ich vergessen ein Foto von den Speisen zu machen. Es war einfach so verdammt lecker. Highlight war für mich das Okragemüse und der Milchreis in Kokosmilch mit Mangosauce zum Nachtisch.

Neben dem leckeren Essen haben mich zwei Sachen besonders gefreut. Auf der Geburtstagsfeier hat mir eine Nachbarin mitgeteilt, dass ich dazu beigetragen habe ihre Vorurteile abzubauen. Im Sommer hatte wir zusammen bei meinem Nachbar gegrillt, ich hatte diverese Salate, Dips und Spieße mitgebracht, was sie nicht vergessen hat und von denen sie immer noch schwärmt🙂 Und zweites waren die Trauzeugen von dem veganen Menü im Restaurant total begeistert. Fleisch wurde dabei kein bisschen vermisst.

Jetzt natürlich in Berlin habe ich eine Riesenauswahl an allem, was das Veganerherz begehrt, aber mich würde interessieren, falls ihr aus einer kleineren Stadt kommt, wie das Angebot bei euch so ist.



9 Gedanken zu „Zurück aus der Heimat – vegan in einer Kleinstadt

    • Ja, sie haben quasi zeitgleich mit mir umgestellt. Das hat mir besonders am Anfang geholfen, denn so konnten wir uns immer gegenseitig am Telefon austauschen und Tipps und Rezepte erzählen.

  1. Also ich komme ursprünglich aus einer kleineren Stadt (ca. 9.000 Einwohner), aber dort gibt es ein E-Center, das jetzt sogar Tofu, das volle Alproprogramm und andere Pflanzenmilchs im Angebot hat. Weiterhin haben wir einen kleinen DM und einen Bioladen sowie diverse Discounter, die aber für Veganer nichts zur Sache tun. Von daher – kein Problem als Veganer🙂 Die Eisdiele hat sogar 2 vegane Sorten (Zartbitter und noch was). Jetzt wohne ich in Stuttgart, wo das Angebot natürlich vergleichbar gut ist😉 Allerdings muss ich dafür nun größere Wege zurücklegen, was definitiv ein Nachteil als Student mit knapper Freizeit ist.

    Lg Federchen

    • Das klingt aber gut. Und wie ist es mit auswärts essen in deiner Heimatstadt?
      Ich hoffe echt, dass in meine Heimatstadt ein dm kommt. Es gibt zwar einen Rossmann, aber der hat ja nicht so viel Auswahl an Lebensmitteln wie ein dm.

      • Rossmann ist allerdings güstiger als DM. Vor allem ist der Zartbitteraufstrich von Rossmann fairtrade, was der von Alnatura nicht ist.

        Puh, auswärts essen. Da ich erst seit Juli 2011 vegan lebe und seit 2009 studiere (sprich nicht mehr in meiner Heimatstadt wohne), kann ich da nicht so viel zu sagen. Hab halt in der Pizzaria den Käse weggelassen, aber nicht nach tierischen Produkten im Teig gefragt (damals dachte, alle italienischen Pizzateige sind vegan). In meiner Heimatstadt haben wir ein paar Italiener, einen Chinesen und noch ein paar Deutsche. Also an sich findet sich da schon was.

        LG Federchen

  2. Auch wenn der Kommentar jetzt schon zwei mal kam – ich finde es total klasse, dass Deine Eltern auch vegan leben! Es muss toll sein, wenn man die eigenen Wertvorstellungen mit der Familie geteilt werden und man sich innerhalb der Familie darüber austauschen kann! (:

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