Smalltalk bei Mitfahrgelegenheiten

In der letzten Zeit habe ich öfter Mitfahrgelegenheiten genutzt, um von A nach B zu kommen, hauptsächlich  um von meiner Studienstadt nach Berlin und zurück zu kommen oder wie im gestrigen Fall von Berlin zu meinen Eltern nach Hause.
Dabei ist mir gestern aufgefallen, dass, dass irgendwann im Laufe der Fahrt immer rauskam, dass ich vegan lebe. Jedes Mal war die Reaktion der Fahrer und anderen Mitfahrer sehr interessant und ich hoffe und glaube, dass ich doch den ein oder anderen zum Nachdenken angeregt habe.
Natürlich nutze ich diese Mitfahrgelegenheiten nicht absichtlich, um Veganismus zu promoten, wie gesagt, mir ist gestern das erste Mal aufgefallen, dass bisher auf den vergangenen Fahrten jedes Mal irgendwann Veganismus zur Sprache kam, aber ich finde es eine gute Gelegenheit, es zur Sprache zu bringen. Immerhin führt man bei fast jeder längeren Fahrt wenigstens ein bisschen Smalltalk. Das ist ja auch ein Vorteil der Mitfahrgelegenheit, dass man nicht allein eine lange Strecke fährt und diese einem unendlich zäh vorkommt, sondern dass man je nach Sympathie der Mitfahrer noch Unterhaltung  von und mit eben diesen hat. Und meistens -wie bei Smalltalk so üblich- kommt man darauf zu sprechen, was man beruflich o.ä. macht. Dass ich ab November für eine Tierschutzorganisation in Berlin arbeite, fanden die meisten sehr interessant. Bei einer Fahrt erriet der Fahrer, Vater einer 11 jährigen Tochter, ziemlich schnell, dass ich Veganerin bin. Er erzählte, dass die Tochter gerade an einem Referat über Tierschutz für die Schule arbeite und dass das ja ein ziemlich umfangreiches Thema sei. Zufällig hatte ich eine „Selbst wenn“ Broschüre der Albert Schweitzer Stiftung dabei, die ich ihm mitgeben konnte, außerdem nannte ich ihm die Internetseite von petakids und einige weitere mögliche Informationsquellen. Er war da sehr froh drum. Der zweite Mitfahrer war selbst Vegetarier und fragte ebenso nach der Broschüre zum Mitnehmen. Außerdem entwickelte sich davon ausgehend ein angeregtes Gespräch über Politik und das Bildungs- und Gesundheitssystem in Deutschland, kritischen Konsum etc. So verging die Fahrt trotz mehrerer Staus wie im Flug.
Auch auf anderen Fahrten kamen wir zumindest kurz auf das Thema zu sprechen und auch wenn sich keine große Diskussion daraus entwickelte, so kamen dennoch meist einige interessierte Fragen, die ich gern beantwortete. Die meisten fanden meine Argumentation sehr schlüssig und konnten meine Beweggründe durchaus verstehen. Ich bin mir bewusst, dass keiner der Fahrer oder Mitfahrer jetzt von einem Tag auf den anderen plötzlich vegan wird, aber ich bin schon froh, wenn sie mich sympathisch fanden -denn wenn ich die einzige Veganerin bin, die sie „kennen“, repräsentiere ich quasi alle Veganer und Veganerinnen, ob ich es will oder nicht- mich nicht als militant oder missionierend empfunden haben oder einfach nur einen kleinen Denkanstoß bekommen haben.
Gestern kam das Thema Veganismus in den allerletzten 5 Minuten der Fahrt auf. Erst in der zweiten Hälfte der Fahrt, nachdem wir eine andere Mitfahrerin abgesetzt hatten, saß ich auf dem Beifahrersitz und kam so mit der Fahrerin ins Gespräch. Wir kamen irgendwann auf einen Nebenjob von mir zu sprechen, wo ich die Servicequalität von diversen Geschäften, Dienstleistungen und Einrichtungen teste. Am Ende der Fahrt fragte die Fahrerin nochmals gezielt nach, da sie sich das auch vorstellen könne zu machen. Ganz nebenbei erklärte ich dann, dass wenn man Fleisch esse, man auch Restaurants o.ä. testen könne. Daraufhin meinte die Fahrerin, dass sie kein Fleisch esse. Sie habe das noch nie gemocht und esse schon seit Jahren kein Fleisch und kein Fisch, auch aus Überzeugung wegen der Tiere. Meine Antwort war, dass ich das sehr gut fände, und selber gar keine tierischen Produkte esse. „Ah vegan also?“, fragte die Fahrerin. „Das ist ja ganz radikal. Ich esse wie gesagt nur kein Fleisch und kein Fisch. Für Milch und Eier müssen ja keine Tiere sterben.“ In dem Moment konnte ich das leider nicht so stehen lassen und erklärte, dass für Eier sehr wohl Tiere sterben müssen und fasste dabei die Problematik in zwei drei Sätzen zusammen. Ich hätte mir gewünscht eine Broschüre parat zu haben, aber das hatte ich nicht und hoffe einfach, dass die Dame selbst anfängt zu recherchieren. Sie war nämlich sichtlich geschockt und erklärte davon nicht gewusst zu haben.
Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen unterwegs gemacht?

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7 Gedanken zu „Smalltalk bei Mitfahrgelegenheiten

  1. Das Thema Sexen ist für viele Vegetarierer Neuland. Da merkt man, wie ich finde, dass die Menschen einfach nicht weiter denken als den Rand ihrer Bequemlichkeit. Auch, dass Milchkühe nach 4, 5 Jahren bei Mäcces auf dem Burger landen, blenden viele gerne aus. Natürlich sterben die Kühe nicht für die Milch, sie werden nur für die Milch 5 Jahre lang gequält. In wie fern das jetzt ethisch vertretbarer ist, weiß ich allerdings auch nicht.

    • Ja, das habe ich auch schon bei vielen Vegetarieren festgestellt und finde auch erschreckend, dass diese Problematiken so unbekannt sind.
      Und bin mir gleichzeig sicher, dass wenn viele Vegetarierer darüber Bescheid wüssten, sie ihr Handeln entsprechend ändern würden.

      • Das ist eben die Problematik beim Denken;) Viele sehen sich selbst als ethische Elite und machen dicht, so bald jemand einem die eigenen Fehler aufzeigt. Und da liegt auch das Problem bei den überwiegend militanten Veganern, die gerne mal die Augen verdrehen wenn sie so eine Form Veggi vor sich haben. Das ist das Henne Ei Prinzip.

      • Ich hoffe du meinst mit militant nicht mich😉
        Ich möchte nämlich gerade ein positives Bild von Veganismus vorleben und dabei nicht belehrend rüberkommen.
        In diesem Fall fand ich es angebracht die Dame locker flockig darauf aufmerksam zu machen. In vielen anderen Fällen, denke ich mir oft nur meinen Teil.
        Es ist wirklich ein Balanceakt. Am liebsten würde man alle Personen im (näheren) Umfeld sofort und am liebsten auch über alles“aufklären“ wollen, gleichzeig möchte man nicht als militant rüberkommen und andere Personen überfordern oder vor den Kopf stoßen.
        Der Ton macht die Musik finde ich.

      • Nein, ich mein u.a. Menschen wie mich:) Ich tu mich manchmal echt schwer damit Menschen nicht zu belehren, vor allem wenn menschen so völlig falsche Vorstellungen haben und auch keine Anstalten machen zu überlegen, überdenken oder generell zu denken. Kopf-Tischplatte. Ich schwanke immer zwischen völliger philantrophie und misantrophie. Kein Recht für niemanden.

  2. Ich war selbst viele Jahre vegetarisch bevor ich vegan wurde und wusste auch nicht, dass für Vegetarismus Tiere sterben. Auch lange nicht, dass Käse nicht mal vegetarisch ist… Als ich anfing mich für Veganismus zu interessieren kam das nur aus der ethischen Frage „darf ich überhaupt das von ihnen wegnehmen?“. Komisch, dass man die anderen Sachen nicht so mitbekommt. Wobei ja wenigstens jamie oliver zuschauer da bescheid wissen müssten.

    • Ja du hast Recht. Die Fleisch/Milch/Eier-„Industrie“ arbeitet eben seit 100 Jahren gut daran uns die heile Welt vorzuspielen. Wenn ich schon CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) höre, wird mir ganz anders:/

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